
Das Verhältnis von Orient und Okzident hat eine lange Geschichte wechselseitiger Faszination und fruchtbarer Begegnung, für die Goethes „West-östlicher Divan“ ein Zeugnis unter vielen ist. Am Beginn dieser Traditionslinie steht der Namensgeber des Preises, Avicenna, der als Mediziner und Philosoph Offenheit, Toleranz und die Verschmelzung unterschiedlicher Wissenstraditionen repräsentiert. Somit ist er eine Symbolfigur für interkulturelles Denken. Die Gegenwart jedoch kennzeichnen politisch oder religiös motivierte Konflikte auf nationaler und internationaler Ebene und daraus resultierend wachsende Vorurteile an vielen Orten des ‚global village‘. An die Stelle des mit gegenseitiger Achtung und Toleranz geführten Dialogs, des multilateralen Wissens- und Kulturtransfers ist vielerorts eine Neigung zur Polarisierung getreten, die in das immer gleiche Wiederholen unreflektierter Stereotype mündet und Barrieren aufbaut anstatt sie zu überwinden.
Der Avicenna-Preis e.V. möchte dazu beitragen, dieser Konfliktfördernden Haltung entgegenzuwirken. Er setzt sich ein für eine Wiederannäherung der Kulturen in Form eines geistig-sozialen Brückenschlags, der ein vorurteilsfreies Mit- und Füreinander ins Zentrum stellt und Diversität als Bereicherung versteht. Diese Aufgabe ist ebenso dringlich wie schwierig und auf eine größtmögliche Unterstützung angewiesen.
In diesem Sinne sucht der Avicenna-Preis e.V. eine Preisträgerin/einen Preisträger (eine Person oder Institution), die/der neue Wege im Umgang mit als „anders“ oder „fremd“ empfundenen Kulturen beschreitet, Brücken baut, um Trennendes zu verbinden und den Dialog sucht, wo Vorurteile gemeinsames Denken und Handeln verhindert haben. Mit dem Avicenna-Preis ausgezeichnet werden sollen Projekte oder Initiativen, deren Ziel es ist, neue Perspektiven zu öffnen und innovative Handlungsweisen des interkulturellen und/oder interreligiösen Austauschs zu entwickeln und umzusetzen. Dies können internationale, nationale oder regionale Kooperationen und Projekte sein. Als künftiger Avicenna-Preisträger ist auch eine Person oder Organisation denkbar, der für die Umsetzung einer wegweisende Idee bisher die Mittel fehlten. Gebunden an ein überzeugendes inhaltliches Konzept und eine realistische Budgetplanung könnte deren Vorhaben mit dem Preisgeld realisiert werden.
Als erste Avicenna-Preisträger wurden 2009 die Initiatoren der Alliance of Civilizations (AoC), der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan und der spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero, ausgezeichnet, die das Preisgeld dem Youth Solidarity Fund der AoC gewidmet haben. Dessen Ziele und Handlungsansätze veranschaulichen in beispielhafter Weise, welche inhaltlichen und institutionellen Kriterien ein künftiger Preisträger erfüllen sollte. Der Youth Solidarity Fund versammelt Jugendliche unterschiedlicher Kulturkreise, deren gemeinsames Ziel eine lebensnah praktizierte interkulturelle Verständigung ist. (Ausführliche Informationen dazu finden Sie unter www.unaocyouth.org.)
Der Avicenna-Preis-Verein, der diesen Preis auslobt und mit einem Preisgeld von bis zu 100.000 Euro dotiert, besteht aus einer kleinen Anzahl internationaler Mitglieder aus Medizin, Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik. Er ist gemeinnützig und finanziert sich ausschließlich durch Spenden.
Für die Findung des Preisträgers sind zwei eigenständige Gremien verantwortlich: Eine fünfköpfige, international besetzte Jury, der u. a. die ehemalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth angehört, entscheidet über den/die Preisträger. Deren Votum basiert auf der Vorauswahl des unabhängigen Beirats. Der Beirat besteht aus Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Funktion und/oder aus privatem Engagement die Philosophie des Preises vertreten. Er sichtet alle eingebrachten Vorschläge und erarbeitet daraus eine Vorauswahl für die Jury.
Die feierliche Übergabe des Preises findet in der Frankfurter Paulskirche statt, die als ‚Wiege‘ der deutschen Demokratie auch für diesen Preis Symbolcharakter hat. Der Avicenna-Preis steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten.
Ihre konsensfähigen Vorschläge – nach Möglichkeit mit einer kurzen Begründung versehenen – richten Sie bitte bis spätestens zum 31.01.2011 an:
Avicenna-Preis e.V.
Martina Bork
Friedrichstr. 13
35392 Gießen
Fon: (0641) 966 116 23
Fax: (0641) 966 116 29
E-Mail: info@avicenna-preis.com
|